Ein alter Spruch der Bauleute lautet: "Bauen heißt: Kampf gegen das Wasser". Und das Dach ist wohl das wichtigste Schutzschild gegen Wind und Wetter. Ein Dach über dem Kopf ist ein Grundbedürfnis der Menschheit.
Wir sehen es als unsere Aufgabe, Ihr Haus, Ihr Gebäude in diesem Kampf zu schützen – auf Lebenszeit!
Traditionelle Dächer sind geprägt von jahrhundertealtem Wissen über Konstruktion, Wetter und Wartung und stellen somit auch wertvolles Kulturgut dar. Das Dach ist das Schild – die Schnittstelle zwischen der Geborgenheit des Innenraums und außen tobenden Naturgewalten. Daher bestimmt vor allem das Klima Dachform und Ausarbeitung.
Wenige Elemente in der Architektur sind so geographisch kennzeichnend wie das Dach eines Hauses. Selbst in Ländern, wo durch das Klima auf Außenwände verzichtet werden kann: das Dach macht das Haus.
Das verwendete Material leitet sich seit jeher aus den natürlichen Ressourcen der Gegend und der kulturellen Tradition her, die Unterschiede zeichnen sich in der Funktion ab: zum Einen sind da Gebiete, die das Wasser vor lauter Überfluss möglichst schnell ableiten müssen, während in trockenen Breiten das kostbare Nass sorgsam gesammelt werden muss.
Daher dient in einigen Gegenden das Dach nur als Schattenspender, ist luft- und wasserdurchlässig und schützt neben seinem psychologischen Wert gegen die extreme Sonne. Gleichermaßen ausgeklügelt wie unser Ziegel oder Dachstein ist der Eskimos gefrorener Baustein, das marokkanische Lehmdach, das das Klima im Rauminneren reguliert, und bei den Bergbauern das Bohlendach, das mit Steinen gegen den Windsog der Alpen beschwert wird.
Natürlich unterliegt auch die Dachtechnik dem Wandel der Zeit. Heute ist das Flachdach mittlerweile technologisch gereift und beherrschbar, Gründächer stellen kein Problem mehr dar und die gerade Dachkante entspricht unseren Vorstellungen moderner Architektur. Daneben sollte aber die geniale Konstruktion des klassischen, geneigten Satteldaches nicht vergessen werden. Die Beurteilung des Ziegel-Satteldachs als rustikal und langweilig ist unrecht. Die Form ergibt sich aus der Funktion und ist nicht so leicht in ihrer Effizienz zu überbieten: Die Überlappung der seriell erzeugten Dachsteine oder Dachziegel, die Dehnungen und Austausch zulassen, der Neigungswinkel, der den Wasserablauf und auch die Gewichtsverteilung auf die Außenwände optimiert, die Montage mit einfachsten Mitteln auf einem materialmäßig optimierten Tragwerk, dem Dachstuhl. Und Reparaturen sind einfach und handwerklich leicht möglich.
Noch heute bekommen Kenner feuchte Augen, wenn sie einen original "Wiener Dachstuhl" zu begutachten haben, der vielleicht bald ein paar Dachwohnungen beherbergen wird, manchmal diesen auch weichen muss.
Zum Wäsche aufhängen haben sich zuletzt wohl unsere Großmütter auf den Dachboden begeben. Eine kleine Exkursion, hinauf auf den Dachboden zu der manchmal noch sichtbaren Kunst des Tragwerks, des Schildes gegen Wasser, Sturm und Schnee, ist in jedem Fall empfehlenswert, denn wo sonst ist die Funktion eines Bauwerkteils auch für den Laien so erfahrbar.